Kingdom of Light / Kingdom of Shadow / Kingdom of Dawn

Mein erster Gedanke beim Lesen von Kingdom of Light war: Das ist das perfekte Einsteigerbuch für Fantasy-Neulinge.
Die Welt ist leicht verständlich aufgebaut: ein klar strukturierter Kontinent, einfache politische Ausrichtungen der Reiche, ein unkompliziertes Magiesystem. Im Mittelpunkt stehen zwei verfeindete Reiche, die unterschiedlicher nicht sein könnten. In Solas wird die Sonne als Gottheit verehrt, die Menschen tragen die Lichtmagie in sich und viele können dieses Licht zu beschwören. Wer in die Armee der Lichtkrieger eintreten möchte und der Lichtkrone dienen möchte, das Licht beherrschen und eine Kampfausbildung absolvieren. Das zweite Reich ist Nyxia, das Schattenreich. Hier betet man die Mondgöttin an und die meisten Einwohner können Schatten beschwören. Wie zu erwarten, herrscht zwischen den beiden Reichen tiefe Feindschaft: brutale Schattenwesen greifen aus dem Grenzgebiet an und die solanische Armee versucht diese Angriffen abzuwehren. Doch die Lage ist weitaus komplexer, als es zunächst scheint.
Die politischen Intrigen sind nicht so verworren, dass Einsteiger den Überblick verlieren würden, doch die Geschichte bricht die gängigen Klischees auf. Schnell wird klar: es ist nicht alles so ist, wie es erzählt wird.
Das Buch erzählt die Geschichte von Lyn Sterling, einer verarmten Bauerstochter, die nach dem Tod der großen Schwester in die Armee des sonnengeküssten Reiches Solas eintreten und Lichtkriegerin werden will. Die Lichtkrieger kämpfen einen nie enden wollenden Kampf gegen die bösen Kreaturen, genannt Schattenwesen, aus dem benachbarten und verfeindeten Land Nyxia und seinem Herrscher dem Schattenerben. Das war der Traum Lyns großer Schwester und als sie im Dienst der Armee ums Leben kam, möchte Lyn stattdessen diesen Traum erfüllen. Also geht sie zum Sonnenpalast und lässt sich ausbilden – und entdeckt, dass sie außergewöhnlich gut darin ist Licht zu beschwören. Ausgerechnet der immer schlecht gelaunte, kaltherzige und scheinbar emotionslose General Blaze Draven ist der Ausbilder für den Nahkampf und bekommt von der Königin noch zusätzlich den Auftrag ihr Privatunterricht im Nahkampf zu geben, damit sie die Prüfungen zur Lichtkriegerin auch wirklich besteht. Was dabei passiert, wenn man in so einem schweißtreibenden, körpernahem Training vertieft ist, könnt ihr euch wahrscheinlich denken 😉
Also alles in allem sehr viel typisches: Goldenes Reich gegen dunkles Reich, Lichtbeschwörung gegen Schattenbeschwörung, Gut gegen Böse und natürlich ist auch hier wieder nicht alles Gold, was glänzt – im wahrsten Sinne des Wortes.
Das lernt Lyn dann vor allem im zweiten Teil Kingdom of Shadow kennen, in dem sie zunächst einmal vom Schattenerbe selbst ins Schattenreich Nyxia verschleppt wird, im Laufe der Zeit aber feststellt, dass die Menschen dort alle gar nicht so böse sind, wie ihr ein Leben lang erzählt wurde. Auch wenn sie lange mit dem Verrat kämpft, der sie letztendlich nach Nyxia gebracht hat, erwärmt sich ihr Herz für ihre ehemaligen Feinde und sie beschließt letztendlich auch für sie zu kämpfen. Denn sie erfährt auch, dass sie eventuell die Auserwählte einer alten Prophezeiung ist, die beide Länder von dem Grauen der bösartigen Schattenwesen befreien kann.
Aber natürlich ist der Weg zur Erfüllung der Prophezeiung ist jedoch steinig. Im finalen Band Kingdom of Dawn muss sich Lyn mit Verrat, Ängsten, Zeitdruck und Angriffen von mehreren Feinden stellen – unterstützt neue, alte und verloren geglaubte Freunden.
Mit jedem Band wird die Geschichte intensiver, die Herzschmerz-Momente schmerzhafter, bis mein Leser-Herz im letzten Teil dann auch endgültig bricht. Und hier sitze ich wieder und frage mich warum Autoren und Lesern das immer antun… aber vor allem warum wir Leser uns das auch freiwillig selbst immer wieder antun! *
Die Reihe greift viele beliebte Tropes auf: „touch her and die“, „grumpy x sunshine“ und „found family“. Vor allem letzteres liebe ich einfach sehr und spielt gerade im letzten Teil auch eine große Rolle. Daher habe ich meine vorherige Bewertung von 4/5 (Kingdom of Light und Kingdom of Shadows von Becca S. Hale – Chapters & Chaos) auf 5/5 erhöht.
Fazit: Absolut lesenwerte Reihe und eine klare Empfehlung an alle Leser, die in die Fantasy-Welt einsteigen möchten.

Review von

* ACHTUNG Spoiler-Gefahr: Diese Reviews möchte ich im Normalfall ja so spoilerfrei wie möglich halten. Aber der Moment, in dem mir die Autorin in Kingdom of Dawn das Leser-Herz gebrochen hat, verlangt doch, dass ich es zumindest mal niederschreibe… Also wenn ihr die Reihe noch nicht gelesen hat – bitte jetzt nicht weiterlesen.
Ich verrate hier zwar den Namen nicht, aber ich muss einfach los werden: Das war der sinnloseste Charakter-Tod aller Zeiten! 😭
Wenn ein geliebter Charakter während einer Schlacht heldenhaft stirbt und dieser Tod auch einen Zweck hat – etwa indem der Hauptcharakter auf einmal neue Kräfte entfesselt aus Trauer oder Wut – dann tut es immer noch weh, aber für die Fortführung der Story kann ich das akzeptieren.
Wenn aber schon alles vorbei ist, die finale Schlacht ist geschlagen und alle haben es gerade so überlebt und dann – ausgerechnet dann! – kommt nochmal ein letzter Angriff aus dem Hinterhalt… das ist einfach nur grausam für uns Leser! Dieser Moment hat mich komplett zerstört. Es fühlte sich an wie bei Liam „it’s been my honor“ Mairi aus Fourth Wing – ähnlich schmerzvoll (es hat mich schon eine halbe Nacht nach Beendigung des Buch gekostet das zu verarbeiten…).
Und doch: Natürlich hätte ich es mir gerne anders gewünscht, aber das ist absolut keine Kritik! Auch wenn sich das hier geschrieben nicht so anhört, es ist das Gegenteil der Fall! Diese Trauer zeigt, wie sehr ich die Charaktere liebe und wie meisterhaft die Autorin es geschafft hat, mich emotional zu binden. Ich habe mit den Charakteren gelacht, gekämpft – und gelitten!


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